- Teufelskreislauf Knochenrückgang bis hin zu den „Dritten“

 

Was ist eine Parodontitis?

Eine Parodontitis wird im Volksmund fälschlicherweise Parodontose genannt. Es handelt sich um eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Meist geht sie aus einer „einfache Zahnfleischentzündung“, Gingivitis, hervor.

Im Verlauf der Parodontitis kommt es zu einer Taschenbildung mit einer Schädigung des Kieferknochens. Dies ist ein Teufelskreislauf, bei dem Zähne locker werden und teilweise verloren gehen.

Ziel der Parodontitis-Therapie ist es, diese Entzündung zu stoppen, betroffene Zähne so zu erhalten und eine Ansteckung anderer Zähne oder Ihrer Familie zu verhindern. Parodontitis hat einen Ping-Pong-Effekt, das heißt ein unbehandeltes Familienmitglied steckt immer wieder die anderen an.

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Die Ursachen einer Parodontitis sind multifaktoriell (vielschichtig). Hauptverursacher der Parodontitis sind bakterielle Zahnbeläge („Biofilme“). Aber auch eine erbliche Veranlagung zu einer verstärkten Entzündungsreaktion des Immunsystems (TNF-α / IL1-Entzündungsneigungslabortest) ist mitentscheidend für die Entstehung und den Schweregrad.

Bekannte Risikofaktoren sind:

  • mangelhafte Mundhygiene
  • Rauchen
  • Stress
  • hormonelle Veränderungen (z.B. Schwangerschaft)
  • unbehandelter oder schlecht eingestellter Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Mangel- bzw. Fehlernährung
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • vererbte Funktionsstörung des Immunsystems

Auch eine Übertragung und Ansteckung in Partnerschaften ist möglich, was übrigens auch für Karies zutrifft!

Wie erkenne ich an mir eine Parodontitis?

Eine Parodontitis verläuft schleichend, meist ohne Schmerzen oder andere Beschwerden, weshalb sie lange Zeit von den Betroffenen nicht bemerkt wird. Erst beim Gang zum Fachmann wird sie entdeckt!

Mögliche Anzeichen können sein:

  • regelmäßiges Zahnfleischbluten (selten bei Rauchern)
  • gerötetes, angeschwollenes und berührungsempfindliches Zahnfleisch
  • Mundgeruch und unangenehmer Geschmack im Mund
  • Zahnfleischdrücken
  • Zahnlockerung und -fehlstellungen

 

 

Wussten Sie, dass der Gewebeabbau mittels modernster Labordiagnostik (Biomarkeranalyse) bereits vor Entstehung bleibender Schäden wie Zahnfleischrückgang und Knochenabbau einfach und sicher ermittelt werden kann.

Auch die Parodontitis assoziierten Markerkeime können wir für Ihre gezielte Therapie bestimmen.

 

Der Weg des Teufelskreislaufs:

Auslöser meist ungenügende Mundhygiene. Das Zahnfleisch schwillt auf Grund der natürlichen Entzündungsreaktion des Körpers an und es entstehen sogenannte Zahnfleischtaschen. Eine Reinigung dieser Taschen bei der täglichen Mundpflege ist erschwert. Es vermehren sich Bakterien, Beläge und bakterielle Abbauprodukte in den Taschen weiter und weiter. So entstehen tiefere Taschen und noch stärkere Gewebeschädigungen ….

Die Wundfläche bei einer Parodontitis entsprecht der Fläche Ihrer Handinnenseite!!!

Gibt es Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und anderen Erkrankungen?

Parodontal geschädigte Zähne können als Eintrittspforte für schädliche Bakterien in die Blutbahn dienen und somit die Entstehung chronisch-entzündlicher Erkrankungen begünstigen.

Internationale wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass eine unbehandelte progressive Parodontitis ein massiver Risikofaktor für die Entstehung folgender Erkrankungen darstellt:

  • Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Endokarditis (3-fach erhöhtes Risiko)
  • Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündung (4-fach erhöhtes Risiko)
  • Diabetes mellitus (6-fach erhöhtes Risiko)
  • Schlaganfall (6-fach erhöhtes Risiko)
  • Komplikationen in der Schwangerschaft mit erhöhter Gefahr einer Fehlgeburt, Frühgeburt und Präklampsie oder ein Baby mit zu niedrigem Geburtsgewicht zu bekommen (7,5-fach erhöhtes Risiko)
  • Krebsentstehung (4-fach erhöhtes Risiko)

Diskutiert wird auch ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Osteoporose, rheumatoider Arthritis sowie Alzheimer.

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, Deutsche Mundgesundheitsstudie 2010, Parodontitis-Portal, IMD-Berlin)

Wie kann Parodontitis therapiert werden?

Wir behandeln Parodontitis in drei Phasen:

0.

Screening

  • Bestimmung der Taschentiefe
  • Erhebung von Biomarkerwerten durch Labor

1.

Initial- oder Hygienephase

Sitzung 1:
  • Praktisches Einüben einer effektiven häuslichen Mundpflege:
    • korrekter Gebrauch der Zahnbürste
    • Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten
  • professionelle Zahnreinigung durch unser geschultes Prophylaxeteam
Sitzung 2:
  • Überprüfung der häuslichen Mundpflege
  • nochmaliges Einüben
  • professionelle Zahnreinigung
Sitzung 3:
  • erneute Taschentiefenmessung
  • Entscheidung, ob eine Parodontitis-Therapie erforderlich oder eine engmaschige Kontrolle mit regelmäßiger professioneller Zahnreinigung ausreichend ist

Wichtig: Bitte nehmen Sie ein gelegentliches Bluten Ihres Zahnfleisches ernst. Je früher eine Therapie begonnen wird, umso geringer ist die Schädigung des Zahnhalteapparates. Bei frühzeitiger Erkennung und Umstellung der häuslichen Mundpflege ist eine beginnende chronische Parodontitis häufig völlig ausheilbar. Bei aktiver Mitarbeit gelingt dank unserer Parodontaltherapie mit Recall-Programm auch noch im späteren Stadium ein Stillstand der Krankheitsprogression.

2.

Parodontaltherapie

Sitzung 1:
  • Unter lokaler Betäubung werden die für den Krankheitsprozess primär verantwortlichen Bakterien und Konkremente aus den Zahnfleischtaschen beseitigt.
  • Anschließen werden die Wurzeloberflächen geglättet, um eine erneute allzu schnelle Anhaftung von Bakterien zu verhindern.
  • Zum Schluss werden im Rahmen unserer Full-Mouth-Desinfection alle Taschen gründlich desinfiziert.
Sitzung 2 + 3: Kontrolluntersuchung
evtl. Sitzung 4:
  • Bei sehr fortgeschrittener Parodontitis kann ein kleiner chirurgischer Einsatz notwendig sein, um die Wurzeloberflächen unter Sicht nochmals gründlich zu reinigen.
  • Teilweise kann auch eine ergänzende Antibiotika-Therapie sinnvoll sein.

3.

Recall-Programm - Nachsorge und Erhaltungstherapie


Die Parodontitis ist eine chronische Erkrankung. Um den Therapieerfolg zu sichern und eine weitere Zerstörung des Zahnhalteapparates zu verhindern, ist eine lebenslange Nachsorge durch uns erforderlich.

Je nach Erkrankungsrisiko empfehlen wir zwei bis vier Kontrolltermine im Jahr, bei denen die Taschentiefen gemessen und erneut die Beläge unter dem Zahnfleischsaum und aus den Zahntaschen entfernt werden.

„Es kann nur dann ein Lächeln aus dem Spiegel schauen, wenn ein Lächelnder hineinschaut.“

aus China